Das große netcup SCP-Handbuch: Alle Funktionen im Praxiseinsatz

Wichtige Fakten auf einen Blick
  • Strikt getrennte Panels: Das SCP steuert virtuelle Hardware, ISOs, Snapshots und VNC; das CCP verwaltet Rechnungen und Verträge mit eigenem Passwort
  • Eigenes ISO booten: Nach dem Einlegen unter Medien -> DVD-Laufwerk muss unter Allgemein -> Boot-Order zwingend das DVD-Laufwerk vor die Festplatte gesetzt werden
  • Datenbank-Snapshots: Für produktive Datenbanken immer Offline-Snapshots wählen, um inkonsistente Dateisysteme durch offene Schreibpuffer zu vermeiden
  • Kostenloser Snapshot-Export: Exportierte .raw.zst-Abbilder lassen sich per zstd -d in ein reguläres RAW-Disk-Image entpacken und lokal sichern oder migrieren
  • rDNS für Mailserver: Unter Netzwerk -> IPs den PTR-Eintrag exakt auf den Hostnamen des A/AAAA-Records setzen (FCrDNS)
Inhaltsverzeichnis11 Abschnitte

Die Verwaltungsarchitektur bei netcup folgt einer klaren Aufgabentrennung:

Beide Systeme verwenden aus Sicherheitsgründen getrennte Passwörter (über den Button Auto-Login SCP im CCP gelangen Sie jedoch auch per Ein-Klick-Login direkt ins SCP). Wer von klassischen Cloud-Oberflächen kommt, übersieht im sachlich gehaltenen SCP leicht einige extrem nützliche Profi-Werkzeuge.

Dieser Leitfaden zeigt Ihnen Schritt für Schritt alle wichtigen SCP-Funktionen für den produktiven Server-Alltag.


1. Übersicht der SCP-Navigation & Registerkarten#

Nach dem Login ins SCP sehen Sie Ihre aktiven Instanzen (VPS und Root-Server werden hier einheitlich verwaltet). Ein Klick auf Ihren Server öffnet die Detailansicht mit sieben Hauptreitern:

Reiter (EN / DE)Bezeichnung im PanelZentrale Funktionen & Praxisszenarien
GeneralAllgemeinIP-/MAC-Adressen einsehen, Server-Spitznamen vergeben, Boot Order (Startreihenfolge) ändern
MediaMedienOffizielle OS-Images per Klick installieren, eigene ISOs ins virtuelle DVD-Laufwerk einlegen, Snapshots verwalten
ScreenBildschirmHTML5-basierte VNC-Konsole inklusive Bildschirmausgabe und virtueller Tastatureingabe
AccessZugriffOffizielles root-Passwort zurücksetzen, hinterlegte SSH-Public-Keys verwalten
NetworkNetzwerkrDNS (PTR-Reverse-DNS) konfigurieren, Netzwerkkarte prüfen, Traffic-Statistiken einsehen
RescueRettungssystemOffizielles netcup Linux-Live-Rettungssystem im RAM booten (ideal bei defektem Dateisystem)
ExtensionErweiterungZusätzlichen Local Block Storage (Zusatzfestplatten) einhängen und verwalten

2. Eigenes ISO mounten & Wunsch-OS installieren (Proxmox VE, Alpine, Arch, Windows)#

Sie möchten ein Betriebssystem installieren, das nicht in den fertigen netcup-Image-Vorlagen enthalten ist – etwa Proxmox VE, Alpine Linux, Arch Linux, NixOS, FreeBSD oder ein eigenes Windows-Server-ISO? Über das virtuelle DVD-Laufwerk im SCP ist das problemlos möglich.

In 3 Schritten vom eigenen ISO booten#

Schritt 1: ISO-Datei ins virtuelle Laufwerk einlegen

  1. Öffnen Sie in der Serveransicht den Reiter Media (Medien) -> DVD Drive (DVD-Laufwerk).
  2. Ihnen stehen zwei Wege offen:
    • Offizielle ISO-Bibliothek: Direktwahl gängiger Installations-ISOs wie FreeBSD, Arch Linux, Gentoo, Alpine oder GParted Live.
    • Eigenes Image (Own Image / FTP-Upload): Geben Sie einen direkten HTTP/HTTPS-Download-Link zu Ihrer ISO-Datei an oder laden Sie Ihr lokales ISO über den im SCP angezeigten temporären FTP-Zugang hoch.
  3. Klicken Sie auf Insert DVD (DVD einlegen).

Schritt 2: Boot-Reihenfolge anpassen (Wichtiges Detail!)

Allein das Einlegen der DVD reicht nicht aus – steht die Festplatte weiterhin an erster Stelle, startet beim Neustart wieder das alte System:

  1. Wechseln Sie zu General (Allgemein) -> Boot Order (Boot-Reihenfolge).
  2. Schieben Sie DVD Drive (DVD-Laufwerk) an die oberste Position vor Hard Disk.
  3. Speichern Sie die Einstellung mit Save Boot Order.

Schritt 3: Server neu starten & über VNC installieren

  1. Lösen Sie über die Energiesteuerung einen ACPI Restart oder Force Reset aus.
  2. Wechseln Sie sofort in den Reiter Screen (Bildschirm / VNC-Konsole). Dort erscheint nun direkt das Installationsmenü Ihres ISO-Images.
  3. Führen Sie die Installation wie an einem lokalen Monitor durch.

Wichtiger Abschluss nach der Installation:
Sobald das System fertig installiert ist, wechseln Sie zurück zu Media -> DVD Drive, klicken auf Eject DVD (DVD auswerfen) und setzen die Boot Order wieder auf Hard Disk an erster Stelle. Andernfalls landet der Server bei jedem zukünftigen Reboot wieder im Installationsprogramm!


3. HTML5-VNC-Konsole (Screen) & Notfall-Rettung über GRUB#

Wenn Sie sich durch eine fehlerhafte Firewall-Regel (ufw / nftables / iptables) oder einen Tippfehler in der /etc/ssh/sshd_config selbst vom SSH-Zugang ausgesperrt haben, ist der Reiter Screen Ihr direkter Konsolenzugang zur virtuellen Maschine.

1. Lokale Tastenkombinationen vermeiden#

Wer im VNC-Fenster auf seiner eigenen Tastatur Strg + Alt + Entf drückt, um den Server neu zu starten, sperrt damit versehentlich seinen eigenen lokalen Windows-PC.

2. Root-Passwort vergessen? Reset über den GRUB Single-User-Modus#

Über die VNC-Konsole haben Sie vollen Zugriff auf den Bootloader und können ein verlorenes root-Passwort in zwei Minuten zurücksetzen:

  1. Starten Sie den Server neu und beobachten Sie im Reiter Screen den Bootvorgang.
  2. Sobald das GRUB-Auswahlmenü erscheint, stoppen Sie den Countdown mit den Pfeiltasten und drücken Sie die Taste e, um die Boot-Parameter zu bearbeiten.
  3. Suchen Sie die Zeile, die mit linux oder linux16 beginnt, navigieren Sie ans Zeilenende und hängen Sie nach einem Leerzeichen folgenden Parameter an:
   init=/bin/bash
   
  1. Starten Sie den Bootvorgang mit Strg + X oder F10. Das System überspringt die reguläre Anmeldung und öffnet direkt eine Root-Shell.
  2. Binden Sie das Dateisystem schreibbar ein und vergeben Sie ein neues Passwort:
   mount -o remount,rw /
   passwd root
   exec /sbin/init
   

Das Passwort ist sofort aktiv und das System fährt regulär hoch.


4. Snapshots: Offline vs. Online & kostenloser .raw.zst-Export#

Unter Media -> Snapshots stellt netcup eine vollwertige Snapshot-Verwaltung bereit – die ideale Absicherung vor großen System-Upgrades.

1. Offline-Snapshot vs. Online-Snapshot#

2. Kostenloser Snapshot-Export (Lokales Voll-Backup & Server-Migration)#

Ein echtes Highlight bei netcup ist die Möglichkeit, Snapshots kostenlos als Image-Datei herunterzuladen (Export Snapshot):

  1. Klicken Sie neben einem vorhandenen Snapshot auf Export.
  2. Das SCP komprimiert das komplette Laufwerk im Hintergrund und erzeugt einen direkten HTTP-Download-Link (meist im Format snapshot.raw.zst).
  3. Laden Sie die Datei auf Ihr lokales NAS, Ihren Backup-Server oder einen neuen Zielserver herunter.
  4. Mit dem Standardwerkzeug zstd entpacken Sie das Archiv verlustfrei in ein reguläres RAW-Festplattenabbild:
   # zstd installieren
   apt install -y zstd
   # Snapshot in ein RAW-Disk-Image entpacken
   zstd -d snapshot.raw.zst -o my_backup.raw
   
  1. Dieses RAW-Image lässt sich lokal per Loop-Device mounten oder per dd 1:1 auf einen anderen KVM-Server (auch bei Drittanbietern) übertragen.

5. rDNS (PTR Reverse-DNS) korrekt einrichten (Pflicht für Mailserver)#

Sobald Ihr Server eigene E-Mails versendet (egal ob kompletter Mailcow-/Postfix-Stack oder Systembenachrichtigungen), ist ein sauberer Reverse-DNS-Eintrag (rDNS / PTR) unverzichtbar. Ohne passendes rDNS lehnen große Provider wie Gmail, GMX/Web.de, T-Online und Microsoft Outlook eingehende E-Mails sofort ab.

Standardablauf für FCrDNS (Forward-Confirmed Reverse DNS)#

  1. Zuerst A- und AAAA-Record im DNS anlegen:

Legen Sie bei Ihrem Domain-DNS-Anbieter für Ihren Mail-Hostnamen (z. B. mail.ihredomain.de) einen A-Record auf Ihre netcup IPv4-Adresse sowie einen AAAA-Record auf Ihre IPv6-Adresse an.

  1. PTR-Eintrag im SCP hinterlegen:
    • Öffnen Sie im SCP Network (Netzwerk) -> IPs.
    • Klicken Sie neben Ihrer IPv4-Adresse (und Ihrer genutzten IPv6-Adresse) auf das Bearbeiten-Symbol (rDNS).
    • Ersetzen Sie den Standardnamen (v22026xxxx.yourvserver.net) exakt durch mail.ihredomain.de.
    • Speichern Sie die Änderung.
  2. Abgleich testen:

Prüfen Sie die Auflösung im Terminal mit dig:

   dig -x 203.0.113.10 +short
   

Gibt der Befehl exakt mail.ihredomain.de. zurück, stimmen Vorwärts- und Rückwärtsauflösung (FCrDNS) perfekt überein.

SCP PanelVNC KonsoleEigenes ISOSnapshot ExportrDNS PTR